DIE GESCHICHTE DES KREISHAUSES

Ludwigshafen ist zwar schon weit über hundert Jahre Sitz einer Kreisverwaltung (früher: Königlich Bayrisches Bezirksamt), doch die Geburtsstunde des heutigen Rhein-Pfalz-Kreises, der bis zum 31. Dezember 2003 "Landkreis Ludwigshafen" hieß und sich aus insgesamt 25 Ortschaften zusammensetzt, schlug erst 1969 im Rahmen der rheinland-pfälzischen Kommunalreform. Damals wurden die alten Landkreise Speyer, Neustadt, Ludwigshafen und Frankenthal aufgelöst und ganz oder teilweise im „jungen Kreis am Rhein“ vereint, der es nunmehr auf gut 117.000 Einwohner brachte.


Ludwigshafen als Sitz festgeschrieben

Verwaltet werden musste diese neue Gebietskörperschaft laut Gesetz von Ludwigshafen aus. Begründung: Hier geht ein großer Teil der Bevölkerung zur Arbeit und tätigt auch seine größeren Einkäufe; außerdem ist das Oberzentrum sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem eigenen Fahrzeug gut zu erreichen. Die Stadt selbst sollte allerdings weiterhin vom Kreis unabhängig bleiben, genauso wie es auch die anderen Nachbarstädte waren, die früher eine Kreisverwaltung beherbergt hatten. Ihrem guten Willen kam bei der Suche nach einem neuen Quartier für die Verwaltung also große Bedeutung zu.


Mehr Einwohner und neue Aufgaben

Dass das Verwaltungsgebäude nicht mehr ausreichen würde, stand im Grunde von Anfang an fest. Immerhin waren nun fast doppelt so viele Gemeinden mit entsprechend mehr Einwohnern zu betreuen, und darüber hinaus standen zahlreiche zusätzliche Aufgaben vor der Tür. Die bislang von der Bezirksregierung bearbeitete Bauleitplanung gehörte dazu ebenso wie der Aufbau von Schulzentren und Sonderschulen oder die Schaffung neuer Freizeitstätten, beispielsweise von Hallenbädern und Sporthallen.


Alter Bahnhof als Notquartier

So musste man sich kurzfristig nach einem Ausweichquartier umsehen, zumal ja aus den Beständen der aufgelösten Kreise schon insgesamt 152 Beamte und Angestellte zur Verfügung standen. Ergebnis: Die neue Bauabteilung zog gemeinsam mit dem Kreiswohnungsverband erst einmal in das kurz zuvor still gelegte Bahnhofsgebäude, das sich ungefähr dort befand, wo heute das Rathaus-Center steht. Das Jugendamt fand unterdessen in einem Geschäftsgebäude an der Ludwigsstraße Unterschlupf, und wer ein Kraftfahrzeug zulassen wollte, musste den Bubenpfad im Süden der Stadt ansteuern. All diese Quartiere wurden vom Kreis nur angemietet.


Frühe Planungen für gemeinsames Unterkunft

Schon am 19. Januar 1970 schickte Landrat Dr. Paul Schädler, der zunächst im Zimmer seines Ludwigshafener Vorgängers Platz gefunden hatte, allerdings einen Bericht an das Ministerium des Inneren und begründete darin Interesse am Bau eines neuen Kreishauses mit Raum für alle Abteilungen. Vier Wochen später stand bereits der Raum- und der Zeitplan. Danach hätte das Gebäude zu einem Preis von 10 bis 11 Millionen Mark errichtet und bis Ende 1971 bezogen werden können. Doch trotz der grundsätzlichen Zustimmung aus Mainz bleib es zunächst beim Wunsch.


Kein Arbeitsmangel

Über Arbeitsmangel konnten sich die Kreisbediensteten unterdessen nicht beklagen, hatten sie ihr Augenmerk doch mehr und mehr auch den Problemen zu widmen, die durch die dichte Besiedlung der Region entstanden. „Es ergibt sich für den Landkreis Ludwigshafen...die Chance, beispielhaft auf dem Gebiete des Schutzes der Umwelt zu wirken“, stellte beispielsweise Ministerpräsident Dr. Helmut Kohl, der spätere Bundeskanzler, bereits 1971 in einem Beitrag für das erste Kreisbuch fest, und er sollte Recht behalten: Die Kreisverwaltung half unter anderem beim Aufbau eines grundwasserschonenden Beregnungssystem für die Landwirtschaft und trug maßgeblich zur Ordnung des Naherholungsgebietes in den Rheinauen bei.


Provisorische Zentrale in Friesenheim

Weihnachten 1972 bescherte den meisten der nunmehr schon 194 Kreisverwaltungsmitarbeitern dann einen Umzug nach Friesenheim, wo man hoffte, auf dem Weg zu einem bürgernahen Dienstleistungsunternehmen wieder ein Stückchen voran zu kommen. Das achtstöckige Gebäude an der Berthold-Schwarz-Straße, das ursprünglich als Wohnhaus gedacht war, wurde zunächst einmal für 10 Jahre gemietet, aber mit der Möglichkeit einer jeweils zwölfmonatigen Verlängerung für den Fall, dass die eigenen vier Wände doch noch länger auf sich warten lassen sollten. Jedenfalls stellte die neue Behausung schon einen gewaltigen Fortschritt dar.


Raumnot durch erfolgreiche Kreiseinrichtungen

„Ausgelagert“ blieb nun lediglich der Kreiswohnungsverband und die Sozial- und Jugendabteilung. Für diese sowie für das Staatliche Veterinäramt, das 1975 schließlich auch formal in die Kreisverwaltung eingegliedert wurde, bot das kreiseigene Gebäude an der Wredestraße noch genügend Raum. Doch ganze sieben Jahre später drohte die Kreisverwaltung erneut aus allen Nähten zu platzen, nachdem die Musikschule ihren Kinderschuhen zunehmend entwuchs, die Volkshochschule alle anderen des Landes zu überflügeln begann und immer mehr Einwohner ein eigenes Kraftfahrzeug zugelassen haben wollten. Folge: Für die Abteilung Schule, Kultur und Sport sowie für den Kreiswohnungsverband mussten Räume in einem Bürohaus an der Kaiser-Wilhelm-Straße gemietet werden.


Mehrere Standorte im Gespräch

Die Bemühungen um ein echtes Kreishaus waren parallel dazu stets weiter gegangen. Noch immer musste ja der Kreistag beispielsweise sämtliche Sitzungen in Turnhallen, Pfarrgemeindesälen oder Dorfgemeinschaftshäusern abhalten, und für Personalversammlungen stand lediglich ein fensterloser Behelfsraum unter Dach zur Verfügung. Außerdem bereitete Ortsfremden die Suche nach den einzelnen Dienstgebäuden oft große Schwierigkeiten. Im Gespräch befand sich in den Siebziger Jahren unter anderem der Kauf eines damals leer stehenden Hochhauses an der Walzmühle, des ehemaligen Arbeitsamtes, des Stadthauses an der Lutherstraße, sowie eines Grundstücks zwischen Berthold-Schwarz- und Hohenzollernstraße. Auch die „Villa Deuschel“ an der Bayernstraße gehörte zu den Kandidaten.


Studie befürwortet Innenstadt

Doch letztendlich erwies sich keine der Überlegungen als geeignet. Erst nachdem die Stadt 1979 das Grundstück westlich des Europaplatzes, am Südrand des Hemshofs, ins Gespräch brachte, begann sich die ersehnte Lösung allmählich abzuzeichnen. Der Durchbruch kam dann 1980, als Studenten der Hochschule für Verwaltungswissenschaften diesen Standort in einer Untersuchung gegenüber der Alternative Friesenheim deutlich favorisierten und der Stadtrat kurz darauf seine grundsätzliche Zustimmung für den Verkauf und die anschließende Bebauung durch den Kreis gab.


Langwierige Verhandlungen

Den nächsten Meilenstein bildete die Entscheidung, den Neubau durch ein Privatunternehmen in dessen eigener Verantwortung errichten zu lassen und anschließend zu leasen. Es folgten ein Architektenwettbewerb, der im September 1981 öffentlich ausgeschrieben wurde. An ihm beteiligten sich 30 Büros aus der gesamten Pfalz, und als Sieger ging eine Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Professor Horst Ermel (Kaiserslautern) und Herbert Hauss (Haßloch) hervor. Die Preisträger erhielten schließlich am 9. Oktober 1982 durch einen einstimmigen Beschluss des Kreisausschusses auch den Planungsauftrag. Bis der Bauantrag bei der Stadtverwaltung eingereicht werden konnte, vergingen allerdings noch einmal drei Jahre, denn zuvor waren noch langwierige Verhandlungen mit dem Land bezüglich des Raumprogramms zu führen.


Baubeginn im Frühjahr 1986

Dafür ließ die Baugenehmigung der Stadt dann nicht mehr sehr lang auf sich warten. Sie lag nach genau sechs Monaten und vier Tagen auf dem Schreibtisch des Landrats, und so konnten schließlich am 1. April 1986 die ersten Bauarbeiter anrücken und mit den Erdarbeiten beginnen. Nachdem man auf einen offiziellen „Spatenstich“ verzichtet hatte, fand am 8. August 1986 bei strahlendem Sonnenschein auf dem Baugelände eine Grundsteinlegung statt. Die Metallrolle, die in eine bereits vorhandene Wand eingemauert wurde, enthält neben einer Urkunde mit Informationen über das Vorhaben und die Verantwortlichen auch einige Zeitungen vom Tage sowie ein aktuelles Münzensortiment.


Junger Kreis beim Richtfest "volljährig"

Das Richtfest, an dem neben den Handwerkern unter anderem der rheinland-pfälzische Innenminister Kurt Böckmann teilnahm, folgte auf den Tag neun Monate nach der Grundsteinlegung, am 8. Mai 1987. Somit fiel sowohl der Baubeginn als auch die Fertigstellung des Rohbaus in ein Jahr mit besonderer Bedeutung für den Landkreis Ludwigshafen. 1986 jährte sich nämlich zum einhundertsten Mal der Tag, an dem „Märchenkönig“ Ludwig II. von Bayern die Stadt Ludwigshafen zur „Kreisstadt“ gemacht hatte, und 1987 wurde der vergrößerte Landkreis Ludwigshafen 18 Jahre alt, an menschlichen Maßstäben gemessen also volljährig.


Einweihung im Sommer 1988

Die Verwaltung konnte in der Zeit vom 9. bis 16. Mai 1988 das neue Kreishaus am Europaplatz beziehen. Offiziell eingeweiht wurde es am 1. Juli 1988 durch Kirchenpräsident Werner Schramm und Bischof Dr. Anton Schlembach. Die Festansprache hielt Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel. Unter den mehr als 600 geladenen Gästen befanden sich auch mehrere ehemalige Landräte des Kreises, sowie Vertreter der Südtiroler Partnergemeinden. Die Allgemeinheit konnte das neue Gebäude tags darauf in Augenschein nehmen. Auf dem Europaplatz fand am 2. Juli darüber hinaus ein „Kreisfest“ statt, bei dem die kreisangehörigen Gemeinden ihre Spezialitäten präsentierten, zahlreiche Einwohner ihre Freizeitaktivitäten vorführten und die Kreisverwaltung einen Einblick in ihre vielfältige Arbeit gab.


Ausgezeichnete Gestaltung

Landrat Dr. Ernst Bartholomé war als "Bauherr" stets bestrebt, keinen reinen "Funktionsschuppen" zu bekommen; Beschäftigte wie Besucher sollten sich im Kreishaus auch wohlfühlen. Außerdem setzte er sich für künstlerische Akzente im Außenbereich und für eine umfassende Begrünung ein. Die Planer hielten sich an diese Vorgaben und ernteten dafür später den Staatsehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz für Architektur und Bildende Kunst.


Neue "Satelliten"

Seit das Gesundheitsamt, das früher eine selbständige Landesbehörde war, in die Kreisverwaltung eingegliedert wurde, gibt es wieder ein zusätzliches Dienstgebäude. Es befindet sich in der Dörrhorststraße und beherbergt inzwischen auch das Rechnungs- und Gemeindeprüfungsamt. Der Kreiswohnungsverband zog 2011 in das Anwesen Industriestraße 109.