Geschützte Biotope

Fünf geschützte Biotoptypen im Kreisgebiet

Die unterschiedlichen Strukturen innerhalb des „Nördlichen Oberrheinischen Tieflandes“ ermöglichen eine Vielfalt an Lebensräumen (Biotopen) für die Tier- und Pflanzenwelt. Zur Übersicht fassen Fachleute ökologisch ähnliche Lebensräume unter einem Biotoptyp zusammen.

Beispiel: Naturschutzgebiet Dannstadter Gräberfeld


Im Kreisgebiet sind fünf wesentliche dieser Biotoptypen gesichert:

- Trockenrasen
- Altrheinbereiche hinter dem Deich
- Auenwaldbereiche vor dem Deich
- Wiesen im Schwemmfächer
- Sekundärbiotop

Trockenrasen

Dieser Biotoptyp mit seiner charakteristischen Pflanzengesellschaft findet sich meist an nach Süden gerichteten Hängen. Bild Raupe im Trockenrasen

Die Pflanzen wurzeln auf durchlässigem, meist extrem flachgründigem Boden, aber auch auf tiefgründigen Löß- und Sandböden. Neben mehrjährigen Kräutern stellen sich kurzlebige, einjährige Pflanzen ein, deren Lebenszyklus mit beginnender Trockenheit schon abgeschlossen ist.


Altrheinbereiche hinter dem Deich

Die Altarme des Rheins sind entstanden als es bei dem in weiten Schleifen verlaufenden Fluss auf natürliche Weise bei Hochwasser zum Durchbruch der schmalen Hälse der Flussschleifen kam, worauf sich wieder neue Mäander bildeten.
Infolge der Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert durch Tulla blieb der alte Lauf als eine Aneinanderreihung sichelförmig gekrümmter Altwässer zurück. Sie bieten nun meistens als nährstoffreiche Stillgewässer großflächige Lebensräume für vielfältige Pflanzengemeinschaften bieten. Bild Laubfrosch

Die Altrheinarme stehen heute nur zum Teil noch in Verbindung zum Fluss, so dass die Wasserstände vom Rhein- und Grundwasser beeinflusst sind und wegen mangelhafter Durchströmung stark zur Verlandung neigen.

Hier findet sich eine charakteristische, natürliche, räumliche Abfolge aus Wasserpflanzen (Schwimmblattgesellschaften), Röhrichten, Weichholzauen- und Hartholzauenwäldern.
Da von den 649 höheren Tierarten in der Bundesrepublik sehr viele an Feuchtgebiete gebunden sind (13 Prozent der Säugetiere, 46 Prozent der Vögel, 23 Prozent der Reptilien und fast alle Lurcharten sowie 150 Fischarten) sind die Altarme neben den Flußauen als Brut-, Laich-, Nahrungs- und/oder Rastbiotop von wesentlicher Bedeutung.

Altrheine hinter dem Deich sind im Rhein-Pfalz-Kreis zum Beispiel die Naturschutzgebiete „Hinterer Roxheimer Altrhein“ und der Neuhofener Altrhein.

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Auenwaldbereiche vor dem Deich

Charakteristisch für Auenwaldbereiche sind regelmäßige bis seltene Überflutungen sowie vom Flusswasserspiegel abhängige starke Grundwasserschwankungen. Die Wälder und Gebüsche sind je nach Dauer der Überschwemmung und ihren Folgeerscheinungen verschieden zusammengesetzt und sehr vielgestaltig. Hochwasserstand, Schlammablagerungen, Sauerstoffgehalt, Bodenlebewelt etc. verursachen einen ständigen Wechsel in den Lebensbedingungen. Dadurch ist die Natur der Auenlandschaft von einmaliger Reichhaltigkeit.

In den Bereichen mit regelmäßigen und häufigen Überschwemmungen herrschen hohe mechanische Beanspruchungen durch das fließende Wasser vor. Dies sind natürliche Lebensräume für Weidenauenwälder. In ihnen gedeiht am Unterlauf des Rheins vornehmlich die Silberweide. Daneben kommt vereinzelt noch die Schwarzpappel vor. Diesen natürlichen Wald nennt man auch "Weichholzaue".

Wird das Gelände lediglich einmal pro Jahr oder auch nur alle zwei oder drei Jahre vom Fluss überschwemmt, entwickelt sich der Eichen-Ulmen-Auenwald, die sogenannte "Hartholzaue". Hauptbäume sind hier Feldulme, Stieleiche, Esche sowie seltenere Arten wie Wildapfel, Wildbirne und Flatterulme. Die Ulmen kommen durch das Ulmensterben* heute hier allerdings nur noch selten vor. Ein Kennzeichen dieser Auenwälder ist der Reichtum an Kletterpflanzen wie Efeu, Waldrebe, Hopfen und die mittlerweile leider sehr selten gewordene Wildrebe. Diese Auwälder zählen mit den dazugehörigen Altwassern zu den artenreichsten Lebensgemeinschaften, sofern sie noch ursprünglich und nicht verändert sind.

Verschiedenste Eingriffe, wie die wasserbaulichen Maßnahmen der Rheinregulierung und die immer stärkere Nutzung durch Land- und Forstwirtschaft sowie Siedlungszwecke haben dazu geführt, dass diese für den europäischen Raum sehr wichtigen Biotope auf wahrscheinlich nicht einmal mehr zehn Prozent der ursprünglichen Ausdehnung geschrumpft sind. Zu dieser Negativbilanz kommen ihre Kleinräumigkeit und verschiedenste Belastungsfaktoren von außen (wie z.B. Naherholung) und innen (Wasserqualität) hinzu.

Besondere Bedeutung haben die Rheinauen als Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Tierarten, als Rast- und Überwinterungsbiotop vieler Zugvogelarten sowie als Lebensraum für bedrohte Pflanzen. Aber auch für die biologische Reinigung der Gewässer, die Verbesserung des Kleinklimas sowie für die Wasserrückhaltung und als Wasserspeicher sind sie von unermesslichem Wert.

Vor dem Deich liegen im Rhein-Pfalz-Kreis die Naturschutzgebiete Horreninsel, Prinz-Karl-Wörth, Flotzgrün, Böllenwörth, Sporen und Schwarzwald.

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Wiesen im Schwemmfächer

Wenn Bäche und Flüsse aus dem höher gelegenen Bergland in das tiefer gelegene Gelände fließen, lagern sie Geröll und Verwitterungsschutt ab, welchen sie auf ihrem Weg mit sich gerissen haben. Zuerst bleiben die größeren und schwereren Teile liegen, dann setzen sich nach und nach immer feinere Partikel ab. Das Material wird somit am Bergfuß flächenhaft aufgeschüttet, es bilden sich Schwemmkegel oder -fächer. Weil das abgetragene Geröll flussabwärts immer feiner wird, ergibt sich eine Abstufung nach der Zerreibbarkeit und Löslichkeit der Gesteine. Am Ende bleibt schließlich nur noch gerollter Quarzsand und tonreicher Schlamm zurück. Bild Schmetterling an einer Blüte

Im Rhein-Pfalz-Kreis sind die aus Richtung Neustadt/ Weinstraße kommenden Gewässer für die Entstehung der Schwemmkegel östlich der Linie Iggelheim-Harthausen verantwortlich. Auf diesem sogenannten Speyerbach-Schwemmfächer bilden diese stark vom Grundwasser beeinflussten Böden Grundlage für Wiesen und Wälder. Typisch für den Schwemmfächer ist es, dass aufgrund der vielfältigen und rasch wechselnden Untergrundmaterialien nasse und trockene Standorte eng verflochten nebeneinander liegen. Dieses Mosaik ist der Hauptgrund für den großen Artenreichtum des Gebietes.

Die hier vorkommenden Feuchtwiesen (Stromtalwiesen) gehören bundesweit zu den am stärksten bedrohten Pflanzengesellschaften. Auch bei uns sind sie durch Drainage, Düngung und Umbruch gefährdet. Deshalb wurden große Teile der bachbegleitenden Biotope unter Schutz gestellt. Oberstes Ziel ist es dabei, die mageren wechselfeuchten bis wechselnassen Wiesen mit ihren charakteristischen und stark bedrohten Tier. und Pflanzenarten zu erhalten. Inzwischen konnten die meisten Wiesen in das Biotopsicherungsprogramm „Extensivierung von Dauergrünland“ des Landes aufgenommen.

Mit wenigen Ausnahmen werden seither alle Grünlandflächen jährlich gemäht. Auf vielen Flächen wird seit Jahren nicht mehr gedüngt und manche gefährdete Pflanzenart hat sich in ihrem Bestand erholt. Jedoch bereitet die starke Ausbreitung von Landreitgras vor allem in ehemals brachgefallenen bzw. umgebrochenen Wiesen in letzter Zeit Probleme. Beispiele für diesen Biotoptyp sind im Kreisgebiet liegen die Naturschutzgebiete Böhler Bruch, Kandelwiese, Lehenbruch, Haderwiese, Kohllache – Spießlache, Neue Wiese- Wasserlacher Hecke und Woogwiesen.

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Sekundärbiotop

Unter Sekundärbiotopen sind Lebensräume zu verstehen, die aus "zweiter Hand" entstanden, also aus vom Menschen geschaffenen und veränderten Landschaften bestehen. Ehemalige Kiesgruben, aufgelassene Sandgruben, Steinbrüche etc. bieten der Natur vielfältige Möglichkeiten zur Ausbildung einer speziell an diese Standorte angepassten Flora und Fauna, was jedoch nicht als Freibrief zur Naturausbeute verstanden werden darf.

Überließe man diese vom Menschen geschaffenen Landschaftswunden sich selbst, so würde die Natur in vielen Jahren über verschiedene Entwicklungsstadien eine neue, zum Teil sehr vielfältige Lebensgemeinschaft bilden. Hier ist den Menschen die Möglichkeit gegeben, der Natur in diesen neugeschaffenen Lebensräumen etwas nachzuhelfen und sie schneller zu wertvollen Biotopen zu entwickeln.

Die Natur hat in früheren Zeiten, als sie sich noch frei entfalten durfte, ähnliche Biotope geschaffen. So entstanden am Rhein durch Hochwässer immer wieder Uferabbrüche, die den Steilwänden unserer Kiesgruben entsprechen, oder es ergaben sich verlandende Flachwasserzonen, die einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren einen großen Lebensraum boten.

Die größte Chance bietet sich den Menschen in der Renaturierung* der ausgebeuteten Kiesseen. Insbesondere durch Geländemodulierung und Initialpflanzungen* wird der Grundstein zu einem strukturreichen Lebensraum gelegt, der der auf diese Lebensräume angewiesenen Tierwelt Nahrungs-, Rast-, Brut- und Laichbiotope bieten kann. Die Pflanzen- und Tierwelt entwickelt sich dann im Laufe der Zeit von selbst
Naturschutzgebiete diesen Typs sind die Sandgrube bei Schauernheim und die Mechtersheimer Tongruben.

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