Zu Besuch in zwei Abfallverwertungsanlagen

An vier Terminen im Februar hatte Kreisbeigeordneter Volker Knörr zu Besichtigungen der Papiersortieranlage in Schifferstadt und des Müllheizkraftwerks in Ludwigshafen eingeladen.

Die begrenzten Teilnehmerplätze waren schnell belegt. Während der interessanten Führungen durch die zwei Anlagen gab es für die Teilnehmer viel Neues zu sehen und zu hören.

Die moderne Abfallentsorgung wird immer komplexer. Die Anforderungen an die Technik und an alle Akteure in der Entsorgungskette steigen ständig. „Ohne die Mitwirkung der Kreisbürger, z.B. bei der ordnungsgemäßen Abfalltrennung, ist das nicht zu schaffen“, meint Kreisbeigeordneter Knörr. „Darum ist es mir wichtig, die enorme Herausforderung, die hinter der Abfallentsorgung steckt, auch für die Bürger vor Ort erfahrbar zu machen.“

Am Standort der Firma Jakob Becker in Schifferstadt werden die Teilnehmer vom Geschäftsführer Herr Lettermann und Standortleiterin Frau Gebauer in Empfang genommen. Ausgestattet mit Warnwesten führt der Weg über das weitläufige Betriebsgelände zur Papiersortieranlage. Die Firma beschäftigt 86 Mitarbeiter und sortiert in Schifferstadt das gemischte Altpapier, das in den Altpapiertonnen mehrerer regionaler Gebietskörperschaften gesammelt wird. „Rund 65.000 t Altpapier laufen hier über die Bänder“, erklärt Frau Gebauer, „wobei rund 14.000 t aus dem Rhein-Pfalz-Kreis kommen, für den wir auch die Einsammlung übernehmen.“

Das von den Haushalten gesammelte Material ist eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Papiersorten und Kartonagen. Um eine möglichst hochwertige Verwertung zu ermöglichen, wird das Papier in der Anlage in drei verschiedene Papierqualitäten sortiert. Dabei kommt auch moderne Technik zum Einsatz. In hoher Geschwindigkeit erkennen optische Sensoren die einzelnen Papiersorten und befördern sie mit Druckluftstößen auf unterschiedliche Bänder.


Das Mischpapier wird durch die Sortierung quasi veredelt. Die sortenreinen Papierqualitäten lassen am Markt höhere Preise erzielen. „Diese Verwertungserlöse gehen stabilisierend in den Gebührenhaushalt ein und kommen somit direkt den Bürgern zugute“, erläutert Herr Knörr. Am Ende wird nahezu das gesamte Altpapier in Papierfabriken zu Recyclingprodukten aus Pappe oder Papier verarbeitet. In der Papierproduktion reduziert der Einsatz von Altpapier den Verbrauch an Frischholz und Energie und lässt weniger Abwasser anfallen.

In Ludwigshafen werden die Teilnehmer vom Geschäftsführer der GML Herrn Dr. Grommes begrüßt. Die GML betreibt seit nunmehr 50 Jahren das Gemeinschafts-Müllheizkraftwerk Ludwigshafen. Eigentümer und Nutzer der GML sind neben dem Rhein-Pfalz-Kreis insgesamt zehn rheinland-pfälzische Gebietskörperschaften aus der Region und die Stadt Mannheim. Jährlich werden rund 200.000 t Abfälle von einer Million Einwohnern in der Anlage verbrannt. Rund 15.600 t Restabfälle und 2.400 t Restsperrabfälle kommen dabei aus dem Rhein-Pfalz-Kreis.

„Was bei uns ankommt, ist der Rest, aus dem sich stofflich nichts mehr machen lässt“, erläutert Dr. Grommes. „Dennoch steckt noch viel Energie darin und die machen wir in unserer Anlage nutzbar.“ Er nimmt die Teilnehmer mit auf eine zweistündige Führung, wie sie vielschichtiger und interessanter kaum sein kann. Dabei geht es über Treppen und Rampen, durch gewundene Gänge, hinab in die Tiefen der Anlage bis hoch hinauf aufs Dach.

Von der Entladerampe geht der Blick durch große Tore in den riesigen Müllbunker. Dorthinein kippen die Abfuhrfahrzeuge ihre gesammelten Restabfälle. Zwei gigantische Müllgreifer mischen das Material zu einer homogenen Mischung und beschicken damit die Aufgabetrichter von drei parallel betrieben Verbrennungsöfen. Darin verbrennen die Abfälle bei ca. 1.000 Grad eigenständig, wobei große Mengen Energie frei werden. Über Wasserleitungen in den Kesselwänden wird Hochdruck-Wasserdampf erzeugt und an die benachbarte TWL weitergeleitet. Turbinen erzeugen dort elektrischen Strom und die Abwärme wird in das Fernwärmenetz eingespeist. Auf diese Weise erzeugt die Anlage Strom und Wärme für rund 16.000 Haushalte. Die Restabfälle werden im Müllheizkraftwerk zu verlässlichen Energielieferanten und ersetzen damit fossile und Kernbrennstoffe.

Im Schlackebunker landet alles, was die Flammen noch übrig gelassen haben. Asche, Steine, Glas und Metalle bröseln mit einem leisen Scheppern aus den Schächten. Immerhin 30% der eingesetzten Abfallmenge bleiben nach dem Ofen noch übrig.


Die Metalle werden dem Recycling zugeführt. Die restliche Schlacke geht auf die Deponie. Auf dem Dach der Anlage angelangt, stehen die Teilnehmer nun direkt über der Rauchgasreinigung. „Das ist der teuerste Teil und zugleich einer der Wichtigsten“, erläutert Grommes. „Schließlich soll aus unserem Kamin nicht viel mehr als Wasserdampf und CO2 kommen.“ Mithilfe von verschiedenen Filter- und Absorbertechniken werden giftige Bestandteile aus dem aggressiven Rauchgas herausgefiltert. Allein 15 km Schlauchfilter sind hier verbaut. In Deutschland gelten strenge Emissionsgrenzwerte, deren Einhaltung sorgfältig überwacht wird. Durch die hochmoderne Abgas-Reinigungstechnik der Ludwigshafener Anlage werden im Jahresmittel die gesetzlich erlaubten Werte deutlich unterschritten. Jährlich rund 7.000 t herausgefilterte Flugstäube und Schadstoffe werden in Untertagedeponien abgelagert und somit sicher aus der Umwelt ausgeschleust.

Auf dem Dach der Anlage endet die kurzweilige Führung mit einer atemberaubenden Aussicht auf die gesamte Umgebung. Die über der Pfalz untergehende Sonne taucht die Landschaft in ein goldenes Licht.


Manchem Teilnehmer wird spätestens jetzt klar, wofür all dieser Aufwand betrieben wird: Damit auch künftige Generationen noch in einer intakten und schadstofffreien Umwelt leben können.

Als Ort, an dem jeglicher Konsum endet, will die GML zum Nachdenken über den eigenen Konsum anregen. Die Videoinstallation „DIE APOLOGETEN DES WACHSTUMS“, die auch Schauplätze des Müllheizkraftwerks enthält, ist auf der GML-Internetseite sowie auf YouTube zu sehen. Einen entsprechenden Link dorthin finden Sie auf www.ebalu.de.

Zuständig

Frau Kornelia Barnewald

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